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Mareka Hillerns, Regionale Lehrerfortbildung

 

 

Das RPZ Aurich verabschiedet sich von Mareka Hillerns

Zugleich ein Rückblick auf die Vorgeschichte der regionalisierten Lehrerfortbildung in Oldenburg und Ostfriesland

Beitrag für PIN BORD NORD, Nr. 19, August 2003;

http://nibis.ni.schule.de/~pedale/page/Pinbords_PDF/PINBORD-19A.pdf

 

Nach 10 Jahren Aufbauarbeit und glanzvoller Konsolidierung des Koordinationsbüros für Regionale Fortbildung im RPZ, nach Herausgabe des 20. Fortbildungsprogramms und auf dem Höhepunkt der RPZ-Präsenz in den Schulen Ostfrieslands übernimmt Mareka Hillerns zum Schuljahresbeginn die Schulleitung "ihrer" Schule in Simonswolde. Im Koordinationsteam bleibt sie dem RPZ aber für den GS-Bereich erhalten. Ihre Nachfolge als Leiterin des Koordinationsbüros tritt Beate Lüppen, HS Wildbahn, Norden, an. Sie wird den im Sommer letzten Jahres von der Regionalkonferenz beschlossenen neuen Fortbildungsschwerpunkt Hauptschulen somit auch aus eigener Erfahrung ausfüllen können.

 

Wir vom RPZ sind stolz auf das von Mareka Erreichte, traurig, dass unser Team sie gehen lassen muß, aber einsichtig genug zuzugeben, dass auch Selbstausbeutung Grenzen hat. Vergeblich haben wir uns zusammen mit dem Oldenburger DIZ bemüht, die starren Besoldungs- und Abordnungsregeln des Öffentlichen Dienstes zugunsten einer leistungsgerechten Bezahlung der Fortbildungsbeauftragten aufzubrechen: Als Mareka sich als Konrektorin für diese anspruchsvolle Aufgabe beworben hatte, mußte sie sich erst wieder zur "normalen" Grundschullehrerin (A12) herabstufen lassen, um Fortbildungsbeauftragte werden zu dürfen! Man muß schon sehr alteuropäisch motiviert sein, solche Bedingungen zu akzeptieren. Das ist bei Mareka der Fall: Das RPZ und der Prozess der Regionalisierung der Fortbildung haben wichtige Abschnitte ihres Berufslebens geprägt. Ein kurzer Rückblick läßt diese Motivation vielleicht verständlicher werden.

 

Mareka war seit Anbeginn im "alten RPZ", dem Bund-Länder-Modellversuch von 1975 bis 1978, aktive Mitarbeiterin in den dort angebotenen selbstorganisierten regionalen Arbeits- und Gesprächskreisen. Als aus dem RPZ nach massiven Protesten der regionalen Lehrerschaft gegen die geplante Auflösung die Auf­fanglösung "KBZ" hervorging, blieb sie diesem (reduzierten) Modell treu und wurde von 1979 bis 1986 KBZ-Leh­rerin, bis sie 1986 in den "Aufsichtsrat" des KBZ, den Bildungsausschuss der Ostfriesischen Landschaft, wechselte! Sie hatte wesentlichen Anteil daran, dass das zunächst mißtrauisch beäugte KBZ schnell wieder Akzeptanz in den Schulen fand.

 

Das RPZ-Modell geriet in diesen Jahren gegenüber der zentralisierten Lehrerfortbildung, wie sie vom 1980 gegründeten NLI verkörpert wurde, gleichwohl in den Hintergrund. Die 1981 zunächst als Pilotprojekt, dann als Regelform einge­führten SCHILFs ("Schulinterne Lehrerfortbildungen" bzw. "Pädagogische Klausurtage") griffen zwar Elemente dieses Modells auf (kollegialer Erfahrungsaustausch), ihnen fehlten jedoch die schul­übergreifende Komponente und eine regionale Substanz. Mitte der 80er Jahre wurden dann im ZpB Oldenburg und im KBZ Aurich erneut Elemente des RPZ-Modells unter dem Begriff der Schulnahen Fortbildung (SCHULF) in die Diskussion gebracht: Schulübergreifende Lehrerfortbildung "von unten" als "Hilfe zur Selbst­hilfe" - das, was wir im RPZ heute "kollegiale Selbstorganisation" nennen. Ein diesem Ansatz korrespondierender inhaltlicher Regionsbegriff mit entsprechenden fortbil­dungsdidaktischen Implikationen wurde dann intensiv 1989 auf dem "Ersten Fortbildungsforum Nord-West" in Aurich diskutiert.

 

Ein Konzeptionspapier des NLI vom Juni 1991 schien schließlich die bis dahin eingetretene Zentralisierung der Lehrerfortbildung noch auf die Spitze zu treiben. In ihm wurde mit dem Vorschlag nach Einrichtung von "Regionalen Zentren für die Fortbildung von Lehrkräf­ten" als unselbständigen Außenstellen des NLI erstmals eine institutionelle Ausdehnung des NLI in die Fläche gefordert. Dieses Papier war der Auslöser für die Gründung einer Projektgruppe der Ostfriesischen Landschaft, in der Hannes Hothan, Hajo Jelden, Gerhard Bolte und Dirk Gerdes bis Januar 1992 in enger Abstimmung mit den ostfriesischen Schulaufsichtsämtern und dem Oldenburger ZpB (Detlef Spindler) ein alternatives Konzept zur Regionalisierung der Lehrerfortbildung in Ost­friesland erarbeiteten. Wilm Ren­neberg und Wolfgang Schramke brachten diese Alternative mit der Artikelüberschrift: "Zentralistisch oder regionalistisch - das ist die Frage" (E&W 1/92) auf den Punkt.

 

Mit Schreiben vom 28.04.92 wurde dieses Konzept als "Vorschlag zur Weiterentwicklung der Lehrer­fortbildung in der Region Ostfriesland" dem niedersächsischen Kultusminister vorgelegt. Zeitgleich reichte auch das ZpB der Universität Oldenburg ein ähnliches Konzept ein. Der Entwurf des Erlasses zur "Neuorgani­sation der regionalen Lehrerfortbildung" vom Februar 1993 (Veröffentlichung im SVBl 7/93) nahm beide Konzepte erstmals unter der Bezeichnung "Sonderformen" auf. Schon im Schulverwaltungsblatt 3/1993 erschien eine Stellenausschreibung für regionale Fortbildungsbeauftragte, wobei diese Ausschreibung trotz gerade erst aufgenommener konkreter Verhandlungen über deren Ausgestaltung explizit auch für die "Sonderformen" Aurich und Oldenburg gelten sollte. Die entsprechenden Vereinbarungen wurden im November 1993 unterzeichnet, aber schon am 23. 06. 1993 wurde Mareka Hillerns als Fortbildungsbeauftragte ernannt. Sie trat nach kurzer Mutterschaftsvertretung durch Gabriele Horn am 1. Dezember ihren Dienst an.

 

Der Regionalisierungserlass nannte sieben Ziele und Aufgaben der Neuorganisation der regionalen Lehrerfortbildung. Drei davon korrespondierten unmittelbar mit der Auricher RPZ-Philosophie, wie sie sich seit 1975 unter maßgeblicher Mitwirkung von Mareka Hillerns herausgebildet hatte:

  • "Entwicklung unterschiedlicher Fortbildungsprofile auf der Grundlage regionaler Besonderheiten"
  • "Intensivierung und Ausweitung schulformübergreifender Angebote zur Förderung der Kooperation zwischen den Schulen"
  • "(...) Fortbildung zur innovativen Begleitung des Schulalltags und zur Stärkung der Autonomie der Schulen"

 

Während das NLI 1993 von etwa einem Drittel der Lehrerschaft als landesweiter Beteiligungsquote an Lehrerfortbildungsveranstaltungen sprach, erreichte das RPZ mit seinen Angeboten 2001 knapp 80 % der ostfriesischen Lehrerschaft. Gleichzeitig wandelte sich der Charakter der Lehrerfortbildung: An die Stelle von "Bauchladen-Angeboten" (Lohmann, MK) oder von "Kampagnen-Fortbildung" (Jegensdorf, NLI) traten zunehmend Fortbildungsgemeinschaften, Netzwerke und längerfristige Arbeitszusammenhänge in Projekten sowie Arbeits- und Gesprächskreisen - Arbeitsformen also, die im RPZ von Anfang üblich waren. Vom RPZ selbst ausgebildete Schulentwicklungsmoderatoren sind in der ganzen Region tätig. Viele Projekte, zuletzt z.B. eine "Lokale Lernpartnerschaft" im NT-Bereich zwischen den Grundschulen und der weiterführenden Schule einer Gemeinde oder die "Fortbildungs-Einkaufsgenossenschaft" der ostfriesischen BBSen, finden weit über die Region hinaus Resonanz.
(.....)
[Die regionale Schulverwaltung weiß die Vorteile dieser Konstruktion zu nutzen, die um den "Preis" der kommunikativen Einbindung in parlamentarische Strukturen der Ostfriesischen Landschaft (Landschaftsversammlung, Bildungsausschuss) ihre Reichweite vergrößert und das alte Schulrats-Dilemma von "Aufsicht" und "Beratung" zumindest in Teilbereichen produktiv auflöst. Die Übertragung der regionalen Lehrerfortbildung in die Trägerschaft der Ostfriesischen Landschaft war kein Akt einer einsamen politischen Entscheidung eines Ministers, sondern Ergebnis einer langen Meinungs- und Konsensbildung aller an regionaler Schulentwicklung Interessierter und dafür Zuständiger. In allen anderen 16 Fortbildungsregionen bleibt die regionale Lehrerfortbildung an staatliche Einrichtungen (Bezirksregierung, Schulaufsichts-ämter, Sonderform Oldenburg: Universität) gebunden. In Ostfriesland geht man mit Unterstützung der staatlichen Schulverwaltung neue Wege - ein weiteres Indiz für die besondere pädagogische Kultur dieser Region, in der traditionelle kulturelle Selbstverwaltungsfor­men zukunftsorientierte Experimentierfelder eröffnet haben.] [Der eingeklammerte Absatz wurde für die PIN BORD NORD-Veröffentlichung von mir gestrichen]

Mareka Hillerns hat seit 1975 mit langem Atem daran mitgewirkt, ein heute wieder höchst aktuelles Modell "bürgergesellschaftlichen" Handelns in die Realität umzusetzen. Zwischen technokratischen Steuerungsfantasien und neoliberalem Ökonomismus eine wertorientierte Bürgergesellschaft "von unten" zu stärken wird auch weiterhin Aufgabe des RPZ bleiben - wenn auch nur in einem schmalen Segment der regionalen Öffentlichkeit!

 

Dr. Dirk Gerdes, Leiter des RPZ Aurich

Vgl. auch: www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BILDUNG/Bilder/Fortbildung/20_Jahre_LFB.pdf